Baselworld 2018: Spekulationen um Breitling – Retro-Elemente und weniger Komplexität

breitling_small_dark

Die Baselworld steht vor der Tür – wie jedes Jahr naht sie mit Riesenschritten – und Uhrenfreunde auf der ganzen Welt fiebern ihr entgegen. Die Messe verspricht wie immer viele aufregende Neuheiten, eine Marke hat jedoch in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit verdient: Breitling.

Die Baselworld steht vor der Tür – wie jedes Jahr naht sie mit Riesenschritten – und Uhrenfreunde auf der ganzen Welt fiebern ihr entgegen. Die Messe verspricht wie immer viele aufregende Neuheiten, eine Marke hat jedoch in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit verdient: Breitling.

Breitling ist einer der bedeutendsten Namen auf der Ausstellerliste der Baselworld, was kaum verwundert angesichts der 134-jährigen Tradition im Zentrum der Schweizer Uhrmacherkunst und den besonders faszinierenden Fliegeruhren als Angebotsschwerpunkt. Viele der beeindruckendsten und historisch bedeutsamsten Innovationen von Breitling wurden im Laufe der Jahre auf der Baselworld präsentiert, darunter das Werk B01 (der erste Manufaktur-Chronograph des Unternehmens) und das legendäre Kaliber 11, eine Pionierleistung aus dem Jahr 1969 (der erste Chronograph mit automatischem Aufzug, eine Rolle, um die er mit dem El Primero konkurriert).

Die Baselworld-Präsenz von Breitling ist nicht nur für ihre faszinierenden Neuvorstellungen bekannt, sondern lockt auch mit spektakulären Marketing-Aktionen und „geheimen“ After-Show-Partys, sodass Besucherveteranen der Baselworld auch 2018 gespannt sein dürfen. Angesichts einer gegenüber den Vorjahren deutlich verringerten Ausstellerzahl setzt Basel verstärkt auf große Namen wie Breitling als Publikumsmagnet. Das Unternehmen hat noch nie enttäuscht: 2015 wurde mit der Galactic Unitime die erste eigenentwickelte Weltzeituhr vorgestellt, die mit einer außergewöhnlichen Lünette aus Wolframkarbid aufwartet. 2016 ging man noch einen Schritt weiter und präsentierte die Avenger Hurricane in Breitlight, einem futuristischen neuen Material, das nahezu viermal leichter als Titan ist.

Breitling_CAMPAIGN_Superocean

Das Triple von 2017

Damit sind wir im Vorjahr angelangt. Die Breitling-Neuheiten von 2017 waren wirklich bemerkenswert. Es gab drei aufregende Neuvorstellungen: Die erste war die Breitling Navitimer Rattrapante im 45-mm-Gehäuse aus Rotgold oder Edelstahl mit dem neuen Kaliber B03, dem ersten Manufakturkaliber der Marke mit Schleppzeigerchronograph. Ein geniales Designelement der Uhr wurde mit den beiden Chronographenzeigern verwirklicht: Einer endet mit einem fein herausgearbeiteten „B“, der andere mit einem Anker – nur wenn beide Rattrapante-Zeiger zur Deckung kommen, wird das vollständige Breitling-Logo sichtbar.

Der zweite Zeitmesser war eine 60-Jahre-Jubiläumsausgabe der Breitling Superocean, der legendären Taucheruhr des Unternehmens. Diese Heritage II Modelle im Vintage-Stil wurden mit zahlreichen technischen Details aufgewertet, unter anderem mit einer attraktiven neuen Lünette mit Keramikeinsätzen in drei perfekt auf die jeweiligen Zifferblätter abgestimmten Farboptionen. Die Dreizeigerversion mit den von den frühen Superoceans entlehnten Schwertzeigern wird vom Kaliber B20 angetrieben, einer Gemeinschaftsentwicklung mit Tudor.

Das spektakulärste Modell am Breitling-Stand des Vorjahrs war wohl wiederum die Avenger Hurricane in ihrer neuen Military-Version. Die mit 50 mm Durchmesser wahrlich imposante Uhr ist federleicht, da auch bei ihr Breitlight als Gehäusematerial zum Einsatz kommt. Sie ist nicht nur angenehm leicht und enorm robust, sondern darüber hinaus auch antimagnetisch, hypoallergen, kratz- und korrosionsbeständig und unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen. Ihrer beeindruckenden Optik mit 24-Stunden-Zifferblatt, gelben optischen Akzenten und patinierter Leuchtmasse steht das Innenleben mit Manufakturwerk in nichts nach.

2018 – Was wir bisher wissen

Was können wir nun in diesem Jahr erwarten? 2018 hat bereits mit sehr erfreulichen Nachrichten von Breitling begonnen, denn der neue CEO Georges Kern verkündete die längst überfällige Abkehr von sexistischer Werbung, in der Frauen zum Objekt degradiert werden. Im Rahmen der Marketingaktivitäten im Vorfeld von Basel wurde derweil die Kollektion Breitling Navitimer 8 mit neuen attraktiven Modellen angekündigt, die Kerns frische Vision für die Marke erkennen lassen.

Die fünf schönen Zeitmesser verstehen sich als Ergänzung, nicht als Ersatz für die traditionelle Navitimer. Inspiriert wurden sie von Willy Breitlings „Huit Aviation“-Abteilung des Jahres 1938, in der Bordinstrumente mit 8 Tagen Gangautonomie für Piloten konstruiert wurden. Mit ihren Vintage-Gestaltungselementen und den deutlich schlichter gehaltenen Zifferblättern (auf viele technische Elemente und sogar auf das berühmte Flügellogo wurde zugunsten einer aufgeräumten Optik verzichtet) bringen die Navitimer 8 Modelle eine entschlossene neue Ausrichtung der Marke zum Ausdruck. Lediglich zwei der fünf Modelle sind Chronographen und Rechenschieberlünetten sucht man vergebens. Insgesamt wirken die Modelle eher wie elegante Dress-Watches, weniger wie Sportuhren mit Macho-Allüren. Wir sind gespannt, ob und wie die weiteren Neuvorstellungen auf der Baselworld diesen Trend aufnehmen.

navitimer8

Womit können wir rechnen?

Was werden wir wohl in diesem Monat in Basel zu Gesicht bekommen? Retro-Neuauflagen von Uhrenklassikern und andere Vintage-Konzepte sind ein bedeutender Trend, den nicht nur Breitling mit seiner 2018er-Kollektion, sondern auch andere bedeutende Marken wie Rolex aufnehmen. Es wurde spekuliert, dass wir schlichtere und weniger hypermaskuline Klassiker-Neuauflagen etwa der legendären Top Time oder vielleicht eine erfrischende „Tropical“-Navitimer mit Patina-Optik erwarten können.

Andererseits fordern Trends auch gerade dazu auf, sich ihnen zu verweigern. Breitling wurde im vergangenen Jahr nach jahrzehntelangem Familienbesitz von einem Investor übernommen, und die neue Unternehmensführung hat bereits einen klaren Richtungswechsel signalisiert. Die Uhrenmodelle, die wir diesem Jahr erwarten können, werden sich vermutlich durch geringere Komplexität, gemäßigtere Größen und eine überschaubarere Anzahl von Referenzen auszeichnen. Womöglich werden sie eine Abkehr von einigen vielleicht etwas angestaubten historischen Ausdrucksformen der Marke einläuten. Auf jeden Fall ist es aufregend, diesen Giganten der Schweizer Uhrenindustrie an einem so bedeutenden Scheideweg zu beobachten.

John Wallis
John Wallis

Living and working in London, John has been writing about watches since graduating university. He got his start at SalonQP, London's finest watch show, where he was inspired by the breadth and creativity of the modern industry. His fascination with mechanical horology has only grown from there.

No Comments Yet

Comments are closed