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Wettstreit der schweizer Uhrenmessen: Baselworld vs. SIHH

Die meisten Leute dürften die ersten Monate des neuen Jahres mit Winterjacken, Filmpreisen und einem sehnsüchtigen Warten auf die wärmeren Jahreszeiten assoziieren. Für Uhrenliebhaber ist dies jedoch die spannendste Jahreszeit, denn die wichtigsten Uhrenmessen werden im Frühjahr veranstaltet. Die im März stattfindende Baselworld wird wie immer mit einer enormen Spannung erwartet, doch dieses Jahr genoss eine andere Messe mehr Aufmerksamkeit denn je: die SIHH.

Der Salon International de la Haute Horlogerie – kurz SIHH – findet jedes Jahr im Januar in Genf statt und ist seit jeher ein großes Event für die Neuvorstellungen vieler Uhrenmarken. Gegründet im Jahr 1991 stand der SIHH im Zeichen der großen Uhrmacherrenaissance der Ära nach der Quarzkrise. Häufig wird der SIHH als der kleine Bruder der Baselworld angesehen, deren Geschichte bis ins Jahr 1917 zurückgeht.

Während der SIHH viele große Namen anzieht und jedes Jahr für bemerkenswerte Schlagzeilen sorgt, assoziiert man diese Messe meist mit den Marken der Richemont-Gruppe: CartierA. Lange & SöhneJaeger-LeCoultreIWC und viele andere. Darüber hinaus bietet der SIHH nur begrenzten Zugang zur Öffentlichkeit und richtet sich in erster Linie an Insider und Journalisten.

 

Der SIHH rückt in den Fokus

Die Dinge scheinen sich allerdings zu ändern: Das Jahr 2018 hat bewiesen, dass der SIHH mehr und mehr Begehrlichkeiten zu wecken scheint. Während Basel noch immer als das Business-Powerhouse der Branche gilt, hat sich Genf verstärkt auf Exklusivität, Haute Horlogerie und Prestige fokussiert. Diese Strategie scheint zu funktionieren: 2018 ist das erste Jahr, in dem die große Luxusmarke Hermès von der Baselworld zum SIHH wechselte und es der Traditionsmanufaktur Ulysse Nardin gleichtat, die den SIHH schon im letzten Jahr der Baselworld vorgezogen hatte. Mittlerweile gibt es 18 namhafte Aussteller. Im „Carré des Horlogers“ gibt es 17 weitere unabhängige Marken.

Die Besucher erleben den SIHH dank des kleineren, weniger aufgeregten Formats die angenehmere Erfahrung der beiden großen Messen. Und man kann kaum leugnen, dass das Angebot des SIHH nie besser war. Ein Grund hierfür ist sicher auch die veränderte Besucherpolitik des SIHH: Am letzten Messetag waren die Hallen für die Öffentlichkeit geöffnet – eine Änderung, die es erst seit dem letzten Jahr gibt und die die Veranstaltung noch interessanter macht.

Die diesjährigen Highlights

Eines der großen Highlights der SIHH 2018 ist ohne Frage die Panerai Luminor Acciaio mit einem Durchmesser von 38 Millimetern. Die Größe ist eine radikale Änderung, wenn man den Panerai-typischen Durchmesser von 44 Millimetern betrachtet. Und auch wenn einige Uhrenliebhaber diese Entwicklung kritisch betrachten: Es scheint so, als würde sich Panerai von der historisch authentischen Taucheruhr-Attitüde wegbewegen und versuchen, einen größeren und vor allem luxusaffineren Käuferkreis anzusprechen. Schon die Abkehr von Unitas-Kalibern dürfte ein erstes Indiz für diese neue Markenausrichtung gewesen sein. Hinzu kommt, dass Panerai mit den 38-Millimeter-Modellen nunmehr verstärkt das weibliche Geschlecht ansprechen dürfte.

Sowieso gab es auf dem diesjährigen SIHH mehr Damenuhren zu sehen als je zuvor. Insbesondere die Modelle von Van Cleef & Arpels waren mit einer gelungenen Kombination aus Kunst und mechanischem Design ein wahrer Hingucker. Die Manufaktur hat ein voll funktionsfähiges Planetarium geschaffen, in dem die Himmelskörper auf Aventurinscheiben herumkreisen.

Eine mechanische Innovation konnte man auch bei der belgischen Independent-Manufaktur Ressence, die für die markanten Zifferblätter mit dem „Orbital Convex System“ bekannt ist, finden: Die Ressence Type 2 e-Crown besitzt (trotz mechanischen Uhrwerks) einen elektronischen Mechanismus, mit dem sich die Uhr selbst reguliert. Wenn man doppelt auf das Zifferblatt tippt, gleicht die Uhr die korrekte Uhrzeit mit einer Smartphone-App ab. Die Type 2 e-Crown zeigt, wie innovativ es sein kann, das Beste aus alten und neuen Technologien zu kombinieren.

Ebenfalls war die Baume & Mercier Clifton Baumatic eine der viel diskutierten Neuvorstellungen: Die geschmackvolle, unprätentiöse Armbanduhr besitzt ein COSC-zertifiziertes In-House-Kaliber mit einer Gangreserve von 120 Stunden. Die Uhr soll für unter 2500 Euro verkauft werden und gehört damit zu denjenigen Uhren, die in die Kategorie „affordable luxury“ fallen und entsprechend begehrenswert sind.

Baselworld oder SIHH?

Die zuvor genannten Neuerscheinungen sind nur die Spitze des Eisbergs: Der diesjährige SIHH war in jeder Hinsicht ein äußerst beeindruckendes Event. Natürlich kann die Baselworld ein noch beeindruckenderes Portfolio und eine deutlich größere Ausstellerzahl aufweisen. Der große Reiz des SIHH ist aber eine luxuriöse, intime Erfahrung, die phänomenal gut organisiert wird und in der glamourösen Stadt Genf stattfindet. Trotzdem wird der Großteil der Uhrenliebhaber sagen, dass die Veranstaltung, auf die sie sich am meisten freuen, die Baselworld 2018 ist.

Auf dem SIHH präsentieren sich viele Top-Marken, aber es fehlen die begehrtesten Marken wie Rolex und Patek Philippe. Die Baselworld ist bekannt für die größten Highlights und für die unbeschreibliche Energie, Aufregung und Insider-Begeisterung. Nichts bringt die Uhrenszene so sehr in Vorfreude wie die schon fast legendären „road-to-Basel“-Fotos im Vorfeld der eigentlichen Berichterstattung. Die wirklich erinnerungswürdigen Enthüllungen der vergangenen Jahre waren fast immer auf der Baselworld zu finden – und wir glauben, dass es auch in diesem Jahr so sein wird.

Man braucht sie beide!

Am Ende des Tages wäre es unfair, die beiden Messen gegeneinander auszuspielen: Beide bieten unvergessliche Erlebnisse für all diejenigen, die das Glück haben, dabei zu sein, und eine aufregende Woche voller Neuigkeiten und aktuellen Berichterstattungen für Uhrenliebhaber auf der ganzen Welt. Die SIHH war ein riesiger Erfolg und hat die Messlatte für ein fesselndes Jahr der Uhren höher gelegt. Wir können es kaum erwarten, Sie wissen zu lassen, welche Neuvorstellungen wir in diesem März auf der Baselworld entdecken werden.

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