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Nachhaltigkeit in der Uhrenindustrie: Wie nachhaltig ist Ihre Uhr?

Nachhaltigkeit ist ein Thema, welches immer mehr an Relevanz gewinnt. Besonders für Millennials spielen faire Produktionsbedingungen sowie Rohstoffgewinnung eine große Rolle. Wie genau es in der Uhrenindustrie um eine nachhaltige Produktion steht, erfahren Sie hier.

Gewiss ist die Uhrenindustrie nicht vergleichbar mit der Kurzlebigkeit in der Modebranche. Erstklassige Zeitmesser bereiten ihrem Träger ein Leben lang Freude, da Premium-Qualität und Tradition in der Uhrmacherkunst oberstes Gebot sind. Auch aufkommende Uhren-Trends werden nicht so schnell ausgetauscht und haben sich die letzten Jahre als langlebig erwiesen. Wer sich eine hochwertige Uhr zulegt, hält ein uhrmechanisches Meisterwerk in der Hand, das mehrere Generationen überdauert. Das ist nachhaltig. Doch wie genau verhält es sich mit der ethischen und ökologischen Verantwortung in der Branche? Wir klären über den aktuellen Stand auf.

Nachhaltige Standards – Responsible Jewellery Council

Es ist nicht alles gold, was glänzt. Um dem entgegenzuwirken haben sich 2005 Unternehmen aus der Gold- und Juwelierwarenbranche weltweit zusammengeschlossen und den non-profit Responsible Jewellery Council (RJC) ins Leben gerufen. Das Ziel: Verantwortungsvolle und ethische Standards für Juwelierwaren etablieren und zwar für die gesamte Lieferkette – von der Rohstoffgewinnung bis hin zum Einzelhandel. Neben fairen Arbeitsbedingungen und anderen ethischen Grundvoraussetzungen gehören ökologische und umweltschonende Aspekte zu den Leitlinien des Verbandes. Seit mehreren Jahren hat sich eine Bandbreite von renommierten Uhrenmanufakturen dem Verband angeschlossen und dessen Zertifizierung erlangt:

IWC, Cartier und A. Lange & Söhne sind einige der Big Player, die sich diesen Standards verpflichten. Auch die hauseigene Goldgießerei der Swatch Group, zu der Marken wie Omega, Glashütte Original und Piaget zählen, ist RJC-zertifiziert.

Keine Frage – der Responsible Jewellery Council ist ein guter und wichtiger Schritt für eine nachhaltige und transparente Unternehmenskultur. Dennoch ist das nicht genug. Mittlerweile gibt es aber mehrere Manufakturen, die sich der Verantwortung annehmen und neben der Einhaltung der RJC-Standards zeigen, was in der Uhrenbranche erreicht werden kann. Hersteller wie IWC, Chopard, Oris und Piaget machen es vor.

IWC – Umwelt und Klima

Im Hause IWC hat man sich den ökologischen Auswirkungen bei der Uhrenproduktion verschrieben und ist einen Schritt Richtung Klimabewusstsein gegangen: In Schaffhausen fließt ausschließlich Strom aus Erneuerbaren Energien. Außerdem ist das 2018 gegründete Manufakturzentrum klimaeffizient gebaut. Bis 2020 möchte das Unternehmen seine CO2-Emissionen bis zu 10 Prozent senken.

Auch der Luxuskonzern Richemont, dem IWC angehört, hat sich dem Vorhaben angeschlossen und das „Richemont Green Handbook” erstellt: Verantwortungsvolle Materialherkunft sowie Umweltschutz gehören nun zu den Konzerngrundsätzen. Das bedeutet, dass auch die Verpackungsproblematik der Branche Aufmerksamkeit erhält und optimiert werden soll. IWC gründete ein eigenes Komitee, um zukünftig Gewicht und Volumen von Verpackungsmaterialien um 30 Prozent reduzieren zu können.

Chopard – Faire Herkunft der Materialien

Chopard denkt die Standards des Responsible Jewellery Councils weiter und begibt sich seit 2013 auf eine Reise zum nachhaltigen Luxus. Dabei steht für das Unternehmen besonders die faire Herkunft von Materialien und Rohstoffen im Fokus. In Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Eco-Age hat Chopard etliche Maßnahmen ergriffen, um im Bereich der Gold- und Edelstahlgewinnung nach verantwortungsvollen, sozialen und umweltfreundlichen Maßstäben agieren zu können.

Im Sommer 2018 verkündete das Unternehmen, bei der Produktion ab jetzt ausschließlich auf „ethisches Gold” zurückzugreifen. Damit meint Chopard einerseits Edelmetalle, die von Anbietern mit einer RJC-Zertifizierung bezogen werden. Andererseits investiert das Unternehmen in Goldminen in Lateinamerika, unterstützt diese auf ihrem Weg zu Fairmined-Zertifizierungen und bezieht das Gold von dort.

Oris – Meeresschutz und Artenvielfalt

Oris widmet sich seit mittlerweile mehr als 10 Jahren intensiv dem Meeresschutz und unterstützt beispielsweise mit lancierten Sondereditionen Umweltprojekte am Great Barrier Reef in Australien. Durch eine der neusten Partnerschaften mit Pacific Garbage Screening ist die auf 2.000 Stück limitierte Taucheruhr Clean Ocean entstanden. Das Besondere an dieser Uhr ist die aus Algen gefertigte Uhrenbox und das Kunststoffmedaillon am Gehäuseboden. Das bunt schillernde Medaillon besteht aus recyceltem PET-Plastik und soll ein Bewusstsein für die Umweltproblematik schaffen. Oris experimentiert immer wieder mit neuen Möglichkeiten, das Thema Nachhaltigkeit in die Welt der Uhren zu integrieren. Dabei werden des Öfteren recycelte Materialien verwendet und zu tollen, innovativen Designs transformiert.

Auch andere Marken ziehen mit und verwenden ausgefallene Materialien in ihren Kreationen. So zum Beispiel Breitlings Superocean Héritage II Chronograph 44 Outerknown oder Carl F. Bucherers Armband der Patravi ScubaTec Black Manta Special Edition.

Ab Februar 2020 ist Oris’ neuste Sonderedition Lake Baikal Limited Edition im Handel erhältlich. Der Verkauf soll zur Unterstützung des Naturschutzprojektes „Point No. 1” am Baikalsee in Russland genutzt werden. Die auf insgesamt 1.999 Exemplare limitierte Uhr ist in Zusammenarbeit mit der Lake Baikal Foundation entstanden. Inspiriert wurde das Design durch Oris’ beliebte Taucheruhr Aquis; die Zahl stellt symbolisch einen Bezug zu dem Jahr her, in dem Russland ein Gesetz zum Schutz des Baikalsees verabschiedet hat.

Sonderedition Lake Baikal von Oris steht ganz im Sinne der Nachhaltigkeit
Bildquelle: Oris

Piaget – Umwelt und Klima

Seit 2006 ist Piaget Mitglied des Responsible Jewellery Councils und hält die Standards für eine verantwortungsvolle Unternehmenspolitik im gesamten Beschaffungs- und Vertriebsprozess von Gold, Diamanten und Edelsteinen ein. Darüber hinaus arbeitet die Manufaktur aus dem kleinen schweizer Dorf La Cote-aux-Fées daran, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und implementiert umweltschonendere sowie nachhaltigere Alternativen in ihren Workflow. So gibt es beispielsweise Bemühungen in der Nutzung von Verkehrsmitteln sowie der Verpackungstechnik.

Fazit – Wie nachhaltig ist Ihre Uhr?

Hand auf’s Herz: Dass sich Uhrenhersteller an die Standards des Responsible Jewellery Councils halten und sich für ethisch korrekte Prozesse einsetzen, sollte spätestens im heutigen Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit sein. Sich beim Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz allein darauf zu berufen, ist nicht genug. Viele Manufakturen engagieren sich jedoch schon seit Jahren für Projekte im Bereich Umweltschutz, Klima und Artenvielfalt. Außerdem versuchen sie auch Inhouse einen nachhaltigeren, umweltschonenderen Weg einzuschlagen. Das geht von kleineren Veränderungen wie die Nutzung von Erneuerbaren Energien, über ein Umdenken der Verpackungstechniken bis hin zum innovativen Einsatz recycelter Materialien beim Uhrendesign.

Das Bemühen der Marken und Ihre Unterstützung verschiedener Projekte zeigt, dass das Bewusstsein der Branche über Ihre Verantwortung sowie einer nachhaltigeren Produktion wächst. Es gibt noch einiges zu tun, aber Marken wie Oris, Chopard, IWC und Piaget sind auf einem guten Weg.

Katharina Giffey
Katharina Giffey

Nach ihrem Start bei CHRONEXT ist bei Katharina schnell eine Leidenschaft für die Welt der feinen Zeitmesser entfacht. Besonders interessiert sie sich für die geschichtsträchtigen Zifferblätter verschiedenster Rolex-Modelle sowie deren Entstehungsgeschichte. Ihre Lieblingsuhr ist deswegen keine geringere als die Rolex Datejust mit Linen Dial.

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