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Von Liebe zu Vintage: Die zehn schönsten Modelle

Faszination Vintage – ein Erklärungsversuch

Irgendwann packt sie fast jeden Uhrenfreund im Laufe seiner horologischen Karriere: die Faszination Vintage. Doch was genau ist der Grund für diese Neigung und welche Hintergründe hat sie?

Vintage bedeutet Liebe zum Detail

Irgendwann im Laufe einer Uhrenkarriere wird für viele das Thema Vintage interessant. Wer erst einmal in diese Welt eingetaucht ist, wird bemerken, dass all das, was die Uhrenleidenschaft ausmacht, sich bei Vintage-Uhren in konzentrierter Form finden lässt: Denn wer erst einmal Freude daran gefunden hat, sich mit feinen Zeitmessern und all den Details rund um die Uhr zu befassen, der wird bei Vintage-Uhren die Königsdisziplin dieser Detailliebe zelebrieren können.

Eine Omega Speedmaster aus den 1960er Jahren

Nirgendwo sonst kommt es auf so viele Feinheiten und minimale Unterschiede an wie in der Vintage-Szene. Kein Wunder, denn in mehreren Jahrzehnten hat eine Vintage-Uhr vieles erlebt und Patina entwickelt. Mit Sicherheit hat es Reparaturen gegeben; die Uhr wurde poliert, vielleicht fachmännisch, vielleicht auch nicht. Deshalb gilt es, genau hinzuschauen – und auf die Details zu achten.

Der Reiz des Suchens (und des Findens!)

Auch die für Uhrenenthusiasten typische Jagdlust wird bei Vintage-Zeitmessern auf die Spitze getrieben. Für viele Sammler besteht der Reiz darin, ein möglichst gut erhaltenes Modell oder gar eine besonders seltene Variante der jeweiligen Uhr zu finden. Ein gutes Beispiel sind die Zifferblätter der Rolex Submariner mit der Referenz 5513: Dieses Modell kam Anfang der Sechziger auf den Markt und verfügt unter anderem über zahlreiche Zifferblatt-Varianten, die für Liebhaber fulminante Unterschiede ausmachen, etwa ein mattes Zifferblatt (sog. „matte dial“) oder die seit 1975 größeren Leuchtpunkte auf selbigem (sog. „maxi dial“). Mitunter kommt es sogar auf einzelne Serifen der Schriftzüge an oder ob bei Zifferblatt-Beschriftung die Tauchtiefe zuerst in Metern oder Fuß angegeben wird (sog. „meters first“).

Die Rolex Submariner Ref. 5513 “Maxi Dial” (Quelle: www.5513mattedial.com)

All diese Unterschiede sind Aspekte, die erst im Laufe der Zeit ausfindig gemacht werden: Nämlich dann, wenn das Modell lange genug auf dem Markt (oder dort wieder verschwunden) ist, um solche feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Varianten und Generationen überhaupt entdecken und hochleben lassen zu können. Die Besonderheit und der Reiz beim Vintage-Kauf bestehen darin, ein möglichst gut erhaltenes Exemplar mit den begehrten Details zu finden; zudem ist wichtig, dass alle Teile zur Uhr passen. Diese darf nicht etwa aus den schönsten Einzelteilen zusammengebaut worden sein, sondern muss authentisch sein. Das Zusammenspiel dieser Faktoren macht einen Vintage-Kauf um einiges komplexer als den Kauf einer neuen Uhr.

Vintage: Von Konzessionärs-Schaufenstern in Liebhaberhände

Natürlich trägt auch der Umstand, dass es bei den meisten Juwelieren und Konzessionären lediglich Neuware und aktuelle Modelle gibt, der Liebhaberei Rechnung. Denn der Vintage-Markt hat sich im Gegensatz zu zeitgenössischen Uhren in die Hände von Liebhabern verlagert. Dabei ist die Grenze zwischen handelnden Liebhabern und liebhabenden Händlern nicht selten fließend. Ohne wirkliche Begeisterung für die Vintage-Materie ist es außerdem kaum möglich, jegliche Einzelheiten zu kennen und authentische Uhren als solche zu verifizieren.

Dieses Vintage-Modell der Omega Constellation wird unter den Sammlern “Pie-Pan” bezeichnet

Die Vintage-Szene ist – vergleichbar mit der Oldtimer-Szene – weitgehend unabhängig und aus sich selbst heraus entstanden. Schließlich gibt es hinsichtlich der Vintage-Preise zwei weitere Aspekte, die erwähnenswert sind: Zum einen ist eine Vintage-Uhr eine gute Wertanlage, da die guten Modelle immer seltener und somit gefragter werden. Zum anderen lässt sich der Einstieg in die Vintage-Welt bereits mit kleinem Budget bewerkstelligen. Um die eigene Kompatibilität mit alten Uhren zu testen, muss es nicht gleich ein ewiger Kalender von Patek Philippe sein.

Zu alledem kommt hinzu, dass nicht wenige Vintage-Liebhaber es schätzen, dass alte Uhren meist bereits ein Jahrzehnte langes Leben hinter sich haben und durch ihre Gebrauchsspuren eine Geschichte des bisher Erlebten erzählen können. Dies zeigt besonders deutlich die liebevolle Wertschätzung, die einem eigentlich so trivialen Alltagsgegenstand entgegengebracht wird.

Meine Top–10 der Vintage-Uhren

Omega Speedmaster Professional, Ref. 105.012

Keine andere Uhr hat eine derart spannende Historie wie die Omega Speedmaster Professional. Da es die Uhr schon seit Jahrzehnten gibt, existieren entsprechend viele verschiedene Referenzen. Begehrt sind bei Vintage-Sammlern vor allem die so genannten Pre-Moon-Modelle, also solche, die noch vor der ersten Mondlandung hergestellt wurden. Die Referenz 105.012 ist von allen je gebauten Speedmaster-Uhren die wohl spannendste Referenz: Denn als im Zuge der Apollo-11-Mission am 21. Juni des Jahres 1969 die ersten Menschen den Mond betraten, trugen Neil Armstrong und vermutlich auch Buzz Aldrin eine Speedmaster mit der Referenz 105.012.

Patek Philippe Calatrava Vintage (z.B. Ref. 96)

Die Patek Philippe Calatrava ist vielleicht die Dresswatch schlechthin und verkörpert wie kaum eine andere Armbanduhr Eleganz und Understatement. Entsprechend zeitlos sind die Vintage-Modelle, denn diese besitzen einen besonderen Charme. Die Referenz 96 gilt als die Ur-Calatrava. Trotz des kleinen Durchmessers machen die alten Calatrava-Modelle stets eine gute Figur am Arm, besonders zu feinerem Zwirn.

Rolex Submariner, Ref. 5513

Die Rolex Ref. 5513 wurde von 1962 bis 1989 produziert und ist vielleicht eines der begehrenswertesten Submariner-Modelle. Gerade die Verbindung aus zeitloser Schlichtheit und Vintage-Charme hat eine magische Anziehungskraft. Meines Erachtens ist die 5513 diejenige Referenz, welche die Ikone Submariner am besten verkörpert. Es lohnt sich, zuzuschlagen. Die guten Modelle werden seltener und vor allem eins: teurer.

Universal Genève Tri-Compax

Universal Genève gehört heutzutage nicht zu den bekanntesten Uhrenherstellern. Meist sind es Vintage-Fans, die die Schweizer Uhrenfirma auf dem Schirm haben. Und das zu Recht: Besonders die Chronographen haben das gewisse Etwas und sind in jedem Fall einen Blick wert. Wenn der Kauf eines Vintage-Chronographen im Raum steht, ist eine Tri-Compax in jedem Fall eine individuelle und stilsichere Wahl; mit Vollkalender und Mondphase versehene Modelle besitzen zudem begehrenswerte Komplikationen.

Heuer Carrera, Ref. 2447

Die Carrera-Linie von Heuer kam 1963 auf den Markt und ist bis heute eng mit dem Motorsport verknüpft. Die Carrera Ref. 2447 wirkt auch heute noch kein Stück alt und wurde zwischenzeitlich sogar als Heritage-Carrera neu aufgelegt. Durch den zeitlosen, sportlich-eleganten Look ermöglicht die Vintage-Carrera sowohl stilechte Ausfahrten im Young- oder Oldtimer als auch angenehme Momente im Büro, wenn der Blick immer und immer wieder aufs Handgelenk wandert.

Patek Philippe Nautilus, Ref. 3700

Die Nautilus zählt zu den größten Uhren-Ikonen überhaupt. Die Ref. 3700 ist die Ur-Nautilus und wurde 1976 eingeführt. Im Vergleich zur aktuellen Nachfolger-Referenz, der 5711, zeichnet sich die 3700 durch einige Feinheiten aus, die ihren puristischen Charakter unterstreichen: Das Zifferblatt strahlt in einem Dunkelblauton und changiert im Gegensatz zur 5711 nicht blau-grün. Auch wurde der Schriftzug auf dem Zifferblatt stimmiger platziert. Zudem – dies war eine Passion von Gérald Genta, dem Designer der Nautilus – besitzt die 3700 keinen Sekundenzeiger. Wer eine 3700 besitzt, darf sich glücklich schätzen, denn diese Nautilus-Referenz ist nicht nur rar, sondern extrem begehrt.

Jaeger-LeCoultre Memovox Vintage

Die Jaeger-LeCoultre Memovox kam bereits 1951 auf den Markt und ist heute als Vintage-Uhr in zahlreichen Ausführungen erhältlich. Die Uhr zeichnet sich durch die Alarm-Funktion aus, die mit einer zweiten Krone bedient wird. Die US-Versionen der Memovox tragen lediglich einen „LeCoultre”-Schriftzug auf dem Zifferblatt, da die Werke aufgrund eines damaligen US-Gesetzes in den Vereinigten Staaten ins Gehäuse eingesetzt werden mussten. Eine Vintage-Memovox verbindet Haute Horlogerie, Understatement und eine auch heutzutage noch nützliche Komplikation mit dem Charme einer Vintage-Dresswatch.

Rolex GMT-Master, Ref. 1675

Noch eine Rolex – und was für eine! Die Ref. 1675 ist noch eng mit der Berufsfliegerei verknüpft und wurde von 1960 bis 1981 gebaut. Die GMT-Master ist um einiges flacher als die Submariner und hat eine dezentere Aufzugskrone, weshalb sie im Alltag zurückhaltend und komfortabel zugleich ist. Eine Besonderheit ist die unglaubliche Vielfältigkeit der Vintage-GMT-Master, denn sie wurde sowohl mit Jubilée- als auch mit Oysterband ausgeliefert und lässt sich mit verschiedenfarbigen Lünetteneinlagen ausstatten. Vielleicht gibt es keine andere Rolex, die so zurückhaltend und doch so besonders ist.

IWC Mark XI

Die Erfolgsgeschichte der Mark-Serie von IWC begann im November 1949 mit der Mark 11. Mittlerweile gibt es sieben Nachfolgermodelle – aktuell auf dem Markt ist die Mark XVIII. Doch die Mark 11 bietet die meiste Authentizität: Noch bis 1981 wurde sie offiziell von der Royal Air Force (RAF) in tausenden Flugstunden eingesetzt. Von der RAF stammt übrigens auch der Name „Mark”, da alle Ausrüstungsgegenstände mit „Mark” bezeichnet wurden. Dank ihres reduzierten Militäruhren-Designs und den tragbaren 36 mm Durchmesser macht sich die IWC Mark 11 auch heute noch gut am Handgelenk.

Glashütte Vintage Dresswatch

Eine namhafte Vintage-Uhr muss nicht gleich teuer sein. Aus der Zeit, in der die sächsische Manufaktur Glashütte Original als volkseigener Betrieb (VEB) verstaatlicht wurde, stammen heutzutage viele Vintage-Dresswatches, die bereits ab 150 Euro in ordentlichem bis guten Zustand erhältlich sind. Viele dieser Uhren tragen den Schriftzug „GUB“ (Glashütter Uhrenbetriebe) auf dem Zifferblatt, doch es existieren auch zahlreiche Uhren mit dem markanten, heute noch verwendeten „Glashütte“-Schriftzug.

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