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Uhrenwissen: So funktionieren Kalenderuhren

Eigentlich ist die Rollenverteilung klar: Uhren zeigen die Zeit an, Kalender das Datum. Jedoch kann es in der ein oder anderen Situation nützlich sein, beides zu vereinen. Es gibt viele Armbanduhren auf dem Markt, die über eine Kalenderfunktion verfügen. Doch besonders anspruchsvolle Komplikationen wie Jahreskalender oder Ewige Kalender können sogar noch mehr. Wie die Kalenderuhren funktionieren erfahren Sie hier!

Die Grundausstattung: Uhren mit einfachen Kalendern & Vollkalendern

Die einfache Datumsanzeige ist die wohl simpelste, aber auch die am weitesten verbreitete Komplikation bei luxuriösen Uhren. Kein Hersteller kommt mehr ohne sie aus. Um zusätzlich Wochentag und Monat darzustellen, ist vom Uhrenträger jedoch Mitarbeit gefordert. Das liegt an dem Gregorianischen Kalender, der einige erschwerende Unregelmäßigkeiten und Ausnahmen aufweist.

Bekanntermaßen haben einige Monate 30 Tage, andere wiederum 31. Der Februar ist sogar nur 28 Tage lang, in Schaltjahren allerdings 29. Es gibt also vier verschiedene Monatslängen, die zuverlässig abgebildet werden müssen. Bei vielen Uhren lässt sich dieses Problem lösen, indem die Datumsanzeige an jedem Monatsanfang von Hand eingestellt wird. Dies gilt auch für Zeitmesser, die zusätzlich zum Tagesdatum noch den Wochentag und den Monat anzeigen (sog. Vollkalender-Uhren). Andere Kalenderuhren müssen sogar nur fünfmal im Jahr korrigiert werden: immer dann, wenn der Monat kürzer als 31 Tage ist.

Die erste mechanische Armbanduhr mit Kalender wurde 1925 von Patek Philippe entwickelt. Die Genfer Manufaktur Breguet zog schon im selben Jahr mit einer eigenen Kalenderuhr nach. Auch Blancpain, Audemars Piguet und Vacheron Constantin haben sich im Bereich der hochwertigen Kalenderuhren einen Namen gemacht.

Highlight-Uhr: Jaeger-LeCoultre Master Calendar

Die Master-Serie bringt einen Hauch Vintage in die Neuzeit: Sie basiert auf den frühen Mondphasen-Modellen mit Dreifachkalendern aus den 40er und 50er Jahren. Das 39-mm-Gehäuse ist erhältlich in Stahl oder Roségold und verfügt über ein silbernes Zifferblatt mit Sonnenschliff. Hier finden wir einen äußeren Datumsring, sowie das kleine Sekundenzifferblatt auf der 6-Uhr-Position, das auch die Mondphasenkomplikation beherbergt. Angetrieben wird die Uhr vom hauseigenen Kaliber 866/1, das über eine Gangreserve von 40 Stunden verfügt und durch einen Saphirboden sichtbar ist.

Uhren mit einfachen Kalendern & Vollkalendern:

Für Fortgeschrittene: Jahreskalender und Halbewiger Kalender

Das regelmäßige Einstellen der Datumsanzeige kann natürlich lästig sein oder vergessen werden. Praktischer sind daher Uhren mit einem Jahreskalender. Diese Modelle sind in der Lage, Uhrzeit, Wochentag, Monat und oft sogar die Mondphase über das gesamte Jahr hinweg ohne Korrektur abzubilden. Ihnen macht – mal wieder – nur der Februar einen Strich durch die Rechnung. Der Sonderling unter den Monaten wird behandelt als wäre er 30 Tage lang. Deshalb muss Ende Februar eine Nachjustierung erfolgen. Ein sogenannter Vierjahreskalender, auch Halbewiger Kalender genannt, ist sogar noch pflegeleichter. Er arbeitet für einen gesamten Schaltjahreszyklus und muss nur alle vier Jahre am 29. Februar neu gestellt werden. Mit einem zusätzlichen Rad im Uhrwerk, das sich innerhalb von vier Jahren einmal um seine Achse dreht, lässt sich auch der 29. Februar korrekt anzeigen.

Wieder war es die Manufaktur Patek Philippe, die 1996 mit dem ersten, patentierten Jahreskalender den Uhrenmarkt revolutionierte. Mittlerweile sind Kalenderuhren, die nur einmal im Jahr umgestellt werden müssen, u.a. von Omega, IWC, A. Lange und Söhne sowie Zenith erhältlich.

Highlight-Uhr: Rolex Sky-Dweller

Wer an Uhren für Piloten und Vielreisende denkt, die zwischen verschiedenen Zeitzonen pendeln, dem kommt meistens die legendäre GMT-Master in den Sinn. Für die klassische Zielgruppe dieses Modells gibt es jedoch noch ein weiteres, mindestens ebenso innovatives und elegantes Modell – die Rolex Sky-Dweller. Die Uhr wird von 14 neuen Patenten geschützt und ist technisch einfach beeindruckend. Besonders clever: In dem raffinierten, mehrfach patentierten Jahreskalender werden die zwölf Stundenziffern gleichzeitig für die Anzeige der Monate genutzt. Zwischen den römischen Ziffern und dem Zifferblattrand befinden sich kleine Fenster, in denen beim jeweils aktuellen Monat eine farbige Markierung erscheint.

Uhren mit Jahreskalendern:

Die Meisterstücke: Ewige Kalender

Je länger der Kalender in der Uhr ohne Korrektur laufen soll, und je mehr Informationen er darstellt, desto komplizierter und aufwendiger ist die Fertigung der Uhr. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Uhren mit Ewigem Kalender als Meisterwerke der mechanischen Uhrmacherkunst angesehen werden. Zusammen mit dem Tourbillon und der Minutenrepetition bilden sie die Dreifaltigkeit der sogenannten „Großen Komplikationen”.

Uhren mit Ewigem Kalender sind in der Lage, Tagesdatum, Wochentag und Monat „ewig” fehlerfrei anzuzeigen. Der Begriff ist jedoch relativ: Im Jahr 2100 benötigt selbst diese Grand Complication eine manuelle Korrektur, da es sich entgegen der Regel ausnahmsweise um kein Schaltjahr handelt. Warum? Schaltjahre finden nur in Jahren statt, die nicht genau durch 100 teilbar sind und in solchen, die ohne Rest durch 400 teilbar sind. Wem das zu kompliziert erscheint, darf sich posthum bei Papst Gregor XIII bedanken. 1582 dachte er sich das nach ihm benannte Prinzip des Gregorianischen Kalenders aus.

Highlight-Uhr: Audemars Piguet Royal Oak Perpetual Calendar

Der Ewige Kalender des Modells Royal Oak kann einfach alles: Uhrzeit, Datum, Wochentag, Woche, Schaltjahr Mondphasen – bis zum Jahr 2100 zuverlässig angezeigt. Die Kalenderwoche ist auf dem äußeren Stundenkreis zu sehen, alle übrigen Details befinden sich auf dem blauen Zifferblatt mit charakteristischem „Grande Tapisserie”-Motiv. Die Schwungmasse wird auf vier Rubinrollen gelagert, um die Reibung und den Verschleiß auf ein Minimum zu reduzieren. Im Inneren des 4,31 mm flachen Uhrwerks verbirgt sich das Automatikkaliber 5134, das aus 374 Teilen zusammengesetzt ist.

Uhren mit Ewigen Kalendern:

So funktionieren Kalenderuhren

Um das Datum in einem Fenster anzuzeigen, bedarf es einiger Komponenten, die sich beim Blick in das Gehäuse offenbaren: Hier findet man ein spezielles Räderwerk mit Hebeln und Sperrklinke, das mit dem Stundenrad im Eingriff steht. Dieses trägt einerseits den Stundenzeiger und ist andererseits für den Antrieb des Kalender-Räderwerks verantwortlich. Ein Finger sitzt auf dem Rad, das vom Stundenrohr über ein Zahnradpaar angetrieben wird. Für eine Umdrehung benötigt es 24 Stunden. Einmal pro Tag gegen Mitternacht nimmt der Finger das Kalenderrad um einen seiner 31 Zähne mit. Das wird wiederum auf den Datumszeiger übertragen, der zur nächsten Zahl wandert. Durch eine Feder wird das Kalenderrad gegen eine unkontrollierte Verdrehung abgesichert.

Vollkalender, die neben dem Datum auch Wochentag und Monat abbilden, brauchen allerdings noch ein ein paar Scheiben mehr. Die Fortschaltung der Monatsanzeige erfolgt in der Regel über denselben Mechanismus wie bei der Datumsanzeige. Wenn nötig leistet ein separates Mitnehmerrad weitere Hilfestellung. Die Steuerung des Monats erfolgt über den Datumsstern: Ein Zahnrad, das alle 31 Tage eine vollständige Umdrehung schafft. Nach einer Vollendung schaltet es zusammen mit dem darüber liegenden Monatsfinger die Anzeige eine Stufe weiter. Leider kennt diese Konstruktion nur Monate mit 31 Tagen, in allen anderen muss korrigiert werden.

Uhren mit Ewigen Kalendern haben diese regelmäßige Korrektur nicht nötig, denn komplizierte Mechanismen sorgen dafür, dass sie unabhängig von der Länge des Monats zuverlässig weiterlaufen. In Armbanduhren gibt es hierfür zwei verschiedene Systeme: Bei Uhren mit einem springenden Ewigen Kalender wird der Tages-, Monats- und Datumsstern durch eine Wippe in einer schnellen Bewegung exakt zur selben Zeit geschaltet. Bei einem mitlaufenden Ewigen Kalender bewegen sich die Zeiger in zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten – erst langsam, dann schnell. Datum und Wochentag springen hierbei nicht immer genau gleichzeitig um.

Audemars Piguet gilt als einer der Spezialisten für hochwertige Kalenderuhren.

Kaliber in Kalenderuhren

Die meisten Uhren mit Jahreskalender werden von dem automatischen ETA-Kaliber 2892 bzw. den Weiterentwicklungen 2892-2 und 2892-A2 angetrieben. Grundsätzlich dient das 2892-2 als Basis-Kaliber und bringt die zentrale Zeitanzeige und die Datumsfunktion mit sich. Die übrigen Kalenderfunktionen, bisweilen auch ein Chronograph oder eine Mondphasenanzeige, kommen in Kombination mit einem Modulaufbau hinzu. Die erste Version des Automatik-Kalibers 28920 kam 1975 auf den Markt, acht Jahre später wurde dann die erste Weiterentwicklung produziert. Seit 1999 wird das A2 hergestellt. Im Vergleich zum Vorgänger ist es einen Millimeter flacher: Bei einem Durchmesser von 25,6 mm kommt das 2892-A2 auf eine Bauhöhe von nur 3,6 mm.

Ein weiteres häufig eingesetztes Kaliber bei Kalenderuhren ist das Chronographenkaliber ETA 7750, auch “Valjoux” genannt. Den Spitznamen verdankt es dem Schweizer Hersteller von Rohwerken Valjoux, der bereits seit mehr als 100 Jahren hochwertige Chronograpehwerke fertigt. Das seit 1973 hergestellte Kaliber bietet ein Fensterdatum und Wochentage mit Schnellkorrektur. Das für seine Robustheit und Ganggenauigkeit geschätzte Uhrwerk wird mit zwei Drückern bedient, während der Chronographen-Mechanismus über Nocken geschaltet wird. Die Weiterentwicklung ETA 7751 kann sogar mit einem Vollkalender mit Tag und Monat sowie einem Zeigerdatum und einer 24-h-Anzeige aufwarten.

Vorreiter in der Entwicklung von Kalenderuhren: Die Genfer Luxusmanufaktur Patek Philippe.

Uhren mit Ewigem Kalender – Das sollten Sie beachten

Armbanduhren, die über einen Ewigen Kalender verfügen, sind aufgrund der Komplikationen sehr schwierig einzustellen. Daher sollten Sie darauf achten, dass die Uhr nie stillsteht. Hierfür lohnt sich die Anschaffung eines Uhrenbewegers, der diesen Job für Sie übernimmt, wenn Sie die Uhr nicht jeden Tag tragen.

Sollte es dennoch einmal passieren, dass die Uhr stehen bleibt, gibt es bei der Korrektur einiges zu beachten. Generell müssen Sie jeden verstrichenen Tag nachstellen, da es nicht ausreicht bloß die Datumsscheibe zu korrigieren. Aber Vorsicht: Verstellen Sie das Datum auf keinen Fall zwischen 23 Uhr und 1 Uhr nachts. In diesem Zeitraum ist nämlich das Uhrwerk damit beschäftigt, Tag, Datum und Monat auf den nächsten Tag zu wechseln, und mag es gar nicht dabei gestört zu werden. Jeder Eingriff in diesen Schaltvorgang kann Beschädigungen in der komplizierten Mechanik verursachen.

Um darüber hinaus auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie nicht versuchen die Uhrzeit oder das Datum rückwärts einzustellen bzw. zu schalten. Das würde höchstwahrscheinlich den Mechanismus zerstören und eine sehr aufwendige Reparatur nach sich ziehen. Angesichts eines Meisterwerks wie dem Ewigen Kalender eindeutig nicht empfehlenswert!

Indra Faber
Indra Faber

Indra hat sich bei CHRONEXT mit dem Uhren-Fieber infiziert und eine Vorliebe für anspruchsvolle Komplikationen entwickelt. Sie taucht gerne tief in die Geschichte der Uhren ein und inspiziert in ihrer Freizeit die Handgelenke ihrer Mitmenschen. Gelegentlich träumt sie von angeregten Diskussionen mit anderen Uhren-Nerds und davon, eine Hublot Classic Fusion ihr Eigen zu nennen.

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