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Baselworld 2018: Ein Leitfaden für Einsteiger

Wir blicken hinter die Kulissen der größten Uhrenmesse der Welt

Baselworld: Dieses Wort kennt wohl fast jeder, der jemals Schweizer Uhren gesehen, besessen oder auch nur von ihnen gehört hat. Es wird oft und gerne in unterschiedlichen Varianten verwendet – Basel sagen die Veteranen, Bâle die Einkäufer, die jedem vermitteln möchten, dass sie die französische Sprache beherrschen. Diese Praxis behalten sie oft in jedem ihrer Meetings konsequent bei. Erfahren Sie mehr!

Was genau ist nun die Baselworld? Es handelt sich um eine Messe. Das kann man so einfach sagen. Was die Baselworld von anderen Events in der Uhrenbranche unterscheidet: Sie ist die große Leitmesse, eine Art Showdown, und meist ein Indikator für die Richtung, welche die Branche im kommenden Jahr einschlagen wird. Jede Marke, die etwas auf sich hält, ist dort vertreten (nicht jedoch die Marken der Richemont-Gruppe, diese präsentieren sich auf einer eigenen Hausmesse), damit ist die Baselworld das A und O der Branche.

Sie ist jedoch auch anders als andere Messen. Marken wie Rolex, Tudor und Hublot präsentieren ihre Produkte an „Messeständen“, dieser Begriff ist allerdings oft irreführend. Nicht bescheidene Stände wie bei anderen Messen sind es, sondern mehrstöckige Konstruktionen mit Markensignaturen an den Wänden und bombastischer Ausstattung, in denen die Neuheiten und Stammkollektionen den Einkäufern und Privatkunden präsentiert werden. Nur ein Beispiel: Hublot gestaltete seinen Messestand in einem der Vorjahre als Aquarium.

Ein solch großer Aufwand wurde jedoch nicht immer betrieben. Die Baselworld fand erstmals im Jahr 1917 als „Schweizer Mustermesse Basel“ mit einer eigenen Abteilung für Uhren und Schmuck statt. Im Jahr 1925 entschlossen sich die Organisatoren, zahlreiche weitere Uhrenhersteller einzuladen, und innerhalb von weniger als einem Jahrzehnt hatte sich die Schweizer Uhrenmesse zu einer eigenständigen Veranstaltung gemausert.

Damit hatte man in ganz Europa das Interesse geweckt. Bald wurden auch Marken aus Frankreich, Italien, Deutschland und Großbritannien eingeladen und Basel entwickelte sich von der Schweizer Uhrenmesse zu einem Nervenzentrum der weltweiten Uhrenbranche. Dies hatte zur Folge, dass sich die ehrwürdige Schweizer Uhrenindustrie nunmehr im Wettbewerb mit neuen ausländischen Marken befand. Basel entwickelte sich damit von einer kleinen Stadt im Dreiländereck von Schweiz, Deutschland und Frankreich zu einem Schmelztiegel für Trends, Themen und Neuigkeiten der Uhrenindustrie. Eine Marke, die nicht bei der Baselworld vertreten war, wurde kaum mehr ernst genommen.

Dieses Phänomen hat bis heute Gültigkeit. Abgesehen von den großen Namen der Richemont-Gruppe wie Cartier, IWC und einigen mehr ist fast jede Marke bei der Baselworld präsent. Nicht immer war die Messe jedoch unter diesem Namen bekannt. Erst ab 1983 setzte sich die Bezeichnung „Basel“ durch, und 1986 wurde die Messe für außereuropäische Marken geöffnet, sogar für die einst verteufelten japanischen Marken, welche die Quarzkrise der Siebzigerjahre ausgelöst hatten.

Die Besucherzahlen wuchsen weiter, sodass 1999 eine neue Halle mit 36.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gebaut wurde. Zur Jahrtausendwende verzeichnete man einen Besucheranstieg um 6 Prozent.

Im Jahr 2003 erhielt die Baselworld ihren heutigen Namen und bezog wiederum eine neu gebaute Ausstellungshalle. Wie stellt sie sich heute in Zahlen dar? 160.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und über 89.000 Besucher pro Jahr. Das bedeutet eine Menge Uhren.

Wenn Sie also in den nächsten Monaten in den Begriff „Baselworld“ in Artikeln über Uhren lesen, wissen Sie nun, dass damit kein verschlafenes Eckchen der Schweiz gemeint ist. Auch wenn das für die meiste Zeit des Jahres stimmt. Wenn jedoch die Uhrenbranche in die Stadt kommt, findet hier ein Ereignis von globaler Bedeutung statt, das tonangebend für eine milliardenschwere Branche ist: Hier entsteht Ihre geliebte Uhr, lange bevor Sie sie jemals gesehen haben. Und hier beginnt natürlich auch so manche Liebesgeschichte.

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