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Ein Uhrenklassiker im Detail: Breitling Navitimer – Teil 1

Die Breitling Navitimer ist eine der größten Uhrenklassiker überhaupt. Seit fast 70 Jahren befindet sich die charakteristische Fliegeruhr an den Handgelenken zahlreicher Berufspiloten und Uhrenliebhaber. Grund genug, die Historie der Uhr und die wichtigsten Modelle der Navitimer einmal näher zu beleuchten. Lesen Sie weiter und begleiten Sie uns in die luftigen Höhen der Breitling Navitimer.

Breitling: Pioniere der Luftfahrt

Man kann guten Gewissens behaupten, dass die 1884 gegründete Grenchner Manufaktur Breitling die Luftfahrt im Blut hat, da sich das Unternehmen von Beginn an auf professionelle Zeitmessung fokussierte. Bereits im Jahr 1915 brachte Breitling einen Monopusher-Chronographen mit 30-Minuten-Zähler für das Handgelenk auf den Markt, um erste Flugberechnungen durchzuführen – lediglich neun Jahre zuvor war der allererste motorisierte Flug in der Geschichte der Menschheit durchgeführt worden. Nur 18 Jahre nach der Gründung der britischen Royal Air Force (1936) stattete Breitling sämtliche Flugzeuge mit Borduhren aus.

Weitere sechs Jahre später – im Jahr 1942 – lancierte das Unternehmen den Chronomat, der die Ref. 769 trug und mit dem Kaliber Venus 175 ausgestattet war. Das Modell wurde direkt Teil der offiziellen Ausrüstung für Piloten der US-amerikanischen US Army Air Force. Anhand des Chronomats lässt sich bereits die Verwandtschaft zum später vorgestellten Navitimer erkennen: Mit seiner Chronographenfunktion, dem Rechenschieber und der charakteristisch gezackten Lünette weist er bereits die wesentlichen Charakterzüge des Navitimers auf.

Dass Breitling seit jeher eine derart wichtige Rolle in der Welt der Luftfahrt gespielt hat, dürfte vor allem daran gelegen haben, dass die Manufaktur eine Pionierstellung in Bezug auf Chronographen einnahm. Im Jahr 1923 stellte Breitling den weltweit ersten Chronographen mit zwei Chronographendrückern vor. Diese Funktionsweise ist bis heute Branchenstandard und ermöglichte eine professionelle Anwendung der Zeitmessung: Messungen können von nun an unterbrochen und fortgesetzt werden, da die Rückstellung auf Null durch den zweiten Drücker bewerkstelligt werden kann.

1954: Navitimer „Pre-806“ und Ref. 806

Im Jahr 1954 erblickte der erste Navitimer das Licht der Welt. Während der Chronomat militärisch geprägt war, stand der Navitimer seit Anfang an im Licht der zivilen Luftfahrt, welche seit dem Ende der 1940er Jahren boomte („jet age“). Dank eines zusätzlichen Totalisators ermöglichte die Uhr längere Zeitmessungen als der Chronomat, zudem verfügte der Navitimer über einen Rechenschieber, der vom Mathematiker Marcel Robert extra für die Luftfahrt entwickelt wurde. Dank zahlreicher Skalen auf dem Zifferblatt konnten so zahlreiche – und zum Teil äußerst komplexe – Berechnungen durchgeführt werden. So zum Beispiel zur Ermittlung von Treibstoffverbrauch, Steig- und Sinkflugraten sowie Durchschnittsgeschwindigkeiten.

In den ersten eineinhalb Jahren wurde der Navitimer von dem Kaliber Valjoux 72 angetrieben. Diese frühe Version war exklusiv für die internationale Pilotenorganisation Aircraft Owners and Pilots Association (AOPA) bestimmt und trug noch keine Referenznummer auf dem Gehäusedeckel. Die Uhr wird daher auch als „Pre-806“ bezeichnet. AOPA-Mitglieder konnten das Modell für 87,50 US-Dollar kaufen.

Seit 1956 – die Ref. 806 war nun auf dem Gehäuseboden vermerkt – verrichtete ein Kaliber Venus 178 seinen Dienst in der Uhr. In den ersten Jahren des Navitimer befand sich auf dem Zifferblatt noch kein Breitling-Logo, sondern das Logo der AOPA. Dieser Umstand war der ursprünglichen Absicht geschuldet, die Uhren nur der AOPA zukommen zulassen. Gleichwohl sollte es bis zum Jahr 1959 dauern, dass die AOPA den Navitimer zur offiziellen Uhr für Piloten kürte. Erst seit dem Jahr 1964, als klar wurde, dass der Navitimer weltweit nachgefragt werden würde, verwendet Breitling das eigene Logo auf dem Zifferblatt.

Der Navitimer folgt dem Zeitgeist

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten kam verschiedene Varianten des Navitimers auf den Markt. Rückblickend kann man deutlich erkennen, wie sehr Breitling die Neuerscheinungen an den jeweiligen Gegebenheiten der Zeit ausgerichtet hat. Im Jahr 1962 – ein Jahr nach John F. Kennedys Ankündigung, bis zum Ende des Jahrzehnts auf dem Mond landen zu wollen – lancierte Breitling die Navitimer Cosmonaute (Ref. 809), eine Version mit 24-Stunden-Anzeige. Die Uhr wurde von Scott Carpenter an Bord der Aurora 7 während der Mercury-Atlas-7-Mission am 24. Mai 1962 getragen und passt hervorragend in das Zeitalter des „space race“.

Mit der 1969 vorgestellten Breitling Navitimer Chrono-Matic 1806 kam schließlich die erste Automatik-Version des Fliegerchronographen heraus. Das Kaliber 11 war das Ergebnis einer Kooperation zwischen den Uhrenherstellern Heuer und Breitling sowie den Werkherstellern Büren und Dubois-Dépraz. Das Kaliber 11 war das Produkt eines Runs auf immer beliebter werdende Automatikwerke: Im gleichen Jahr präsentierte auch Zenith mit dem El Primero das erste Chronographenkaliber mit Automatikaufzug.

Die 1970er Jahre waren geprägt von der Quarzkrise. Auch Breitling hatte mit der unschlagbar günstigen und präzisen batteriebetriebenen Konkurrenz zu kämpfen. In den Siebziger Jahren stellte die Grenchner Manufaktur verschiedene Navitimer-Modelle mit Quarzantrieb und LC-Displays her.

Verkauf der Marke und Neubeginn

Die Quarz-Modelle konnten Breitling jedoch nicht retten: Im Jahr 1978 musste Willy Breitling, Enkel des Gründers Léon Breitling, die Namens- und Markenrechte der Manufaktur verkaufen. Von der Bildfläche verschwunden ist Breitling aber nie: In den 1980er Jahren erschien eine neue Generation des Chronomat sowie die Aerospace-Serie, in den 1990er Jahren dann die Emergency-Serie.

Einen Meilenstein konnte Breitling im Jahr 2009 – zum 125. Markenjubiläum – zelebrieren: Das Unternehmen stellte sein erstes Inhouse-Kaliber vor. Das COSC-zertifizierte Breitling B01 verfügt über einen Säulenrad-Chronographen mit Automatikaufzug sowie 70-Stunden-Gangreserve und kam zuerst im Navitimer 01 zum Einsatz.

Seit 2017 ist Breitling schließlich in der Hand der CVC Capital Partners. Ein Jahr später wurde Georges Kern CEO der Manufaktur. Seitdem orientiert sich das Produktportfolio stärker an den historischen Ursprüngen. So hat Breitling im Jahr 2019 unter anderem eine neue Heritage-Version des AOPA-Navitimers aus dem Jahr 1959 auf den Markt gebracht.

Nils Rau
Nils Rau

An upholder of justice in the world, our German editor Nils is a judge by profession, and a luxury watch enthusiast by passion. Much of his free time is dedicated to wristwatches by exploring watch blogs and online magazines, as well as keeping an eye out on the timepiece stock exchange market. His articles focus on brands, trends, as well as the philosophical questions within the world of fine watches.

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