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Im Check: Fliegeruhr vs. Taucheruhr

Ob zu Wasser oder in der Luft: Taucher- und Fliegeruhren verbinden Funktion mit Aktion. Von ihren Ursprüngen als reine Tool Watches haben sie es an die Handgelenke von Uhrenliebhabern aus aller Welt geschafft. Doch welche Art von Zeitmesser ist eigentlich die bessere Wahl: Navitimer oder Submariner? Aviator oder Seamaster? Flieger- oder Taucheruhr? Erfahren Sie es in unserem Wettkampf zwischen Himmel und Meer!

Die wenigsten Uhrenträger sind ausgebildete Piloten oder haben einen Tauchschein. Dennoch werden Modelle wie die Breitling Navitimer oder Rolex Submariner – die ursprünglich für ganz bestimmte Einsätze entwickelt wurden – flächendeckend verehrt. Sie verkörpern eine Verbindung von anspruchsvoller Feinmechanik, hoher Widerstandsfähigkeit und einer charakteristischen Ästhetik. Dabei haben sie ihre ganz eigenen Merkmale, Stärken und Einsatzgebiete. Luft oder Wasser: In einem direkten Vergleich finden Sie heraus, mit welchen Uhren Sie in Ihrem Element sind.

Fliegeruhren – Ein Stück Geschichte

Sowohl Taucher- als auch Fliegeruhren wurden ursprünglich für ganz bestimmte Einsätze entwickelt. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Flugzeuge den Himmel eroberten, entstand ein Bedarf an Zeitmessern, die sich im Cockpit leicht ablesen ließen. Taschenuhren erwiesen sich in der Luft als unpraktisch.

So war es der brasilianische Flugpionier Alberto Santos Dumont, der 1904 Louis Cartier bat, ihm eine spezielle Armbanduhr zu entwerfen. Die entstandene Santos-Kollektion verfügte zwar nicht über das heute charakteristische Design einer Fliegeruhr, spielte dennoch eine Schlüsselrolle.

In den folgenden Jahren gehörten Zenith und Longines zu den Manufakturen, die die Entwicklung der Fliegeruhren voran trieben. Ein weiterer wichtiger, wenn auch konfliktreicher, Meilenstein stellte der Zweite Weltkrieg dar. Damals wurden Piloten der Luftwaffe mit sogenannten B-Uhren (Beobachtungsuhren) ausgestattet. Diese präzisen, großen Uhren mit Leuchtzeigern wurden unter anderem von A. Lange & Söhne, IWC, Stowa und Laco hergestellt. Sie gelten als Vorbild für spätere moderne Fliegeruhren, wie die Big Pilot von IWC.

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Die Taucheruhr auf Rekordjagd

Schon vor tausenden Jahren begannen Menschen, die Unterwasserwelt zu erkunden. Die Entwicklung der ersten wasserdichten Uhr dauerte dennoch bis zum 20. Jahrhundert. 1927 stellte Rolex mit einer Oyster den ersten Zeitmesser vor, der an Krone, Glas und Boden vor Wassereintritt geschützt war. Als wirkliche Taucheruhr konnte sich die 1932 vorgestellte Omega Marine bezeichnen. Sie verfügte über Saphirglas sowie ein besonders robustes und widerstandsfähiges Gehäuse. Außerdem konnte mit ihr eine Tauchtiefe von 13 Metern erreicht werden – ein Rekord zu jener Zeit.

In den 1940er Jahren begann der Aufstieg der widerstandsfähigen und zuverlässigen Omega Seamaster. Bereits wenige Jahre später zog Rolex mit der DeepSea nach. Die Special-Version überstand 1953 einen Tauchgang von 3.150 Metern Tiefe. Dabei wurde sie an der Außenwand der Tauchkapsel von Auguste Piccard befestigt. Sieben Jahre später ging es sogar über 10.000 Meter in die Tiefe. Ganz nebenbei lancierte Rolex die vielleicht berühmteste Taucheruhr der Welt: die Rolex Submariner.

Die rasante Entwicklung fand auch in den folgenden Jahren kein Ende. Namhafte Hersteller wie Omega, Breguet, Jaeger-LeCoultre und Zenith entwickelten wasserdichte Uhren, teilweise mit einer Dichte von bis zu 1.000 Metern.

Fliegeruhr vs. Taucheruhr: Eigenschaften und Funktionen

Im Gegensatz zu Ewigen Kalendern oder Tourbillons benötigen Flieger– und Taucheruhren keine anspruchsvollen Komplikationen. Im Fokus stehen Zuverlässigkeit, Widerstandsfähigkeit und eine Funktionalität, die auf das Wesentliche beschränkt ist.

Taucheruhren müssen in erster Linie wasserdicht sein. Daher sind Krone und Drücker zur Abdichtung verschraubt. Die meisten Kronen werden entweder durch einen Flankenschutz geschützt oder sind leicht in das Gehäuse eingelassen. So werden sie vor Stößen bewahrt und können nicht irgendwo hängen bleiben. Eine Uhr für Taucher sollte zudem robust sein, um bei Stößen und Erschütterungen nicht direkt zu beschädigen. Für Tauchgänge sind Tiefenmesser natürlich besonders praktisch. Ergänzt werden sollten sie durch eine Sauerstoffanzeige bzw. einen Warnmelder, der ausschlägt, wenn der Sauerstoff zur Neige geht.

Im Vordergrund steht bei Fliegeruhren die Verbindung von Funktionalität und Ablesbarkeit. Die wichtigsten Funktionen, die eine Fliegeruhr liefern kann, sind (neben der Uhrzeit) die Navigation und das Umrechnen von Kilometern, Meilen und Seemeilen. Hochwertige Chronographen verfügen über eine Rechenschieber-Funktion, sind beständig gegenüber Unterdruck und bieten einen Magnetfeldschutz.

Taucheruhr:
Wasserdichtigkeit
Sauerstoffanzeige / Warnung
Druckbeständigkeit
Robustheit

Fliegeruhr:
Stoppuhr
Navigation
Rechenschieber
beständig gegenüber Unterdruck
Magnetfeldschutz

Fliegeruhr vs. Taucheruhr: Die Ablesbarkeit

Ob Taucheruhr oder Fliegeruhr – bei beiden Arten von Zeitmessern spielt eine gute Ablesbarkeit unter erschwerten Bedingungen eine wichtige Rolle. Fliegeruhren gewährleisten diese in der Regel durch ein mattschwarzes, nicht reflektierendes Zifferblatt. Die Zeitanzeige ist reduziert und klar gegliedert mit gut zu erkennenden Minuten- und Stundenindexen. Klassisch ist auch der Nullindex in Dreiecksform, der sich von den Stundenzahlen abhebt. Alle Indexe werden mit Leuchtmasse belegt, auch der Sekundenzeiger leuchtet im Dunkeln.

Für Tauchgänge werden ebenfalls Superluminova Uhren eingesetzt, also Uhren mit Leuchtmasse. Diese ist nicht einfach ein nettes Accessoire, sondern lebenswichtig. Je tiefer der Taucher steigt, desto weniger Licht gelangt zu ihm. Zum Ablesen der Tauchzeit oder bei Dekompressionsintervallen, sind leuchtende Zeiger und Indizes ein absolutes Muss. Die Indizes werden klassischerweise bei 3-6-9-12 hervorgehoben, was auf einem schwarzen Zifferblatt am besten zur Geltung kommt. Die Minuten- und Stundenanzeiger sind so gestaltet, dass eine Verwechslung ausgeschlossen ist.

Taucheruhr:
Leuchtindizes, Superluminova Leuchtpunkte
Indizes mit Hervorhebung von 3-6-9-12
unverwechselbare Minuten- und Stundenanzeiger
schwarzes Zifferblatt

Fliegeruhr:
nicht reflektierendes Zifferblatt
große, gut ablesbare Stundenzahlen
mattschwarzes Blatt
klar ablesbare Anzeige
Nullindex in Dreiecksform
Leuchtmasse

Fliegeruhr vs. Taucheruhr: Die Lünette

Flieger– und Taucheruhren haben entscheidend dazu beigetragen, die Lünette mit anspruchsvollen Funktionen auszustatten. Noch bei den ersten Automatikuhren diente der äußerste Ring des Gehäuses zur Einstellung der Uhrzeit. Es waren die legendäre Breitling Chronomat 1941 und die Navitimer 1952, die mit einer Drehlünette ausgestattet wurden. Die inzwischen ikonische Rechenschieber-Lünette erlaubte es dem Träger, Meilen, Kilometer und Nautische Meilen bequem umzurechnen.

Aber auch Taucheruhren wurden bald mit drehbaren Lünetten ausgestattet. Hierdurch konnten Taucher die Uhrzeit sowie den Zeitpunkt des Abtauchens markieren.

Lünetten unterscheiden sich bei Fliegeruhren und Taucheruhren in ihrer Funktionsweise. Bei Zeitmessern, die unter Wasser eingesetzt werden, ist sie nur einseitig drehbar: Vor dem Abtauchen dreht der Träger die Nullmarkierung auf die Position des Minutenzeigers. Stößt er versehentlich dagegen, wird die Tauchzeit scheinbar vergrößert – der Taucher ist auf der sicheren Seite, auch in Dekompressionsphasen. Der Drehring sollte auch mit Handschuhen verstellbar sein und über einen Leuchtpunkt und eine durchgehende Minutenteilung verfügen. Das dient einer besseren Ablesbarkeit.

Fliegeruhren verfügen über Lünetten, die sich in beide Richtungen drehen lassen. Die zusätzliche Minutenskala wird von Piloten häufig zur Navigation bei Sichtflügen genutzt: Die Lünette zählt die Flugminuten, wenn der Nullpunkt beim Start auf den Minutenzeiger gestellt wird. Sie kann aber auch noch eine Reihe weiterer Aufgaben erfüllen, zum Beispiel die Umrechnung von Längenmaßen oder sogar als Rechenschieber. Hierbei sind durch die Integration einer logarithmischen Skala sogar Division und Multiplikation möglich.

GMT-Uhren, die zwei Zeitzonen abbilden, tun dies häufig mittels der Lünette. Hier wird entweder eine Weltzeit-Skala oder eine 24-Stunden-Skala dargestellt, die in beide Richtungen drehbar ist. Uhren mit Tachymeterskala zeigen Geschwindigkeiten an, bei Lünetten mit 360-Grad-Skala können Piloten die Richtung feststellen.

Taucheruhr:
einseitig drehbare Lünette
Messung der Tauchzeit
mit Handschuhen verstellbar
Leuchtpunkt
durchgehende Minutenteilung

Fliegeruhr:
beidseitig drehbare Lünette
Zählung von Flugminuten
Umrechnung von Längenmaßen
zwei Zeitzonen möglich

Fliegeruhr vs. Taucheruhr: Die Optik

Mit ihren eher bulligen Formen nehmen Taucheruhren besonders bei sportlich orientierten Manufakturen eine zentrale Stellung ein. Diesen Zeitmessern sieht man ihre Robustheit und Stabilität einfach an. Die Rolex Sea-Dweller fällt hier als klassisches Beispiel für ein kompaktes Design ein. Dass es auch etwas verspielter geht, beweist die Omega Seamaster Diver 300M, die über ein Zifferblatt in Wellenoptik verfügt. Die Black Bay von Tudor kommt zwar mit einer zweifarbigen Lünette, aber ansonsten wenig Schnickschnack daher.

Charakteristisch für Fliegeruhren sind satinierte Oberflächen, eine griffige Krone und ein großes Gehäuse. Manchmal sind sie mit einem überlangen Armband versehen, das über Fliegerjacken getragen werden kann. Modelle wie die Aviator von Breitling überzeugen durch eine coole Schlichtheit. Sinn hingegen zeigt mit seiner 103 St Fliegeruhr, was Chronographen in der Luft alles leisten können. Militärisch-coole Schlichtheit vs. robustes Kraftpaket: Die Entscheidung zwischen einer Fliegeruhr oder einer Taucheruhr ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Taucheruhr:
sportlich, robust, kompakt
gelegentlich maritime Thematik
eingelassene oder geschützte Kronen

Fliegeruhr:
satinierte Oberfläche
griffige Krone
großes Gehäuse
z.T. überlanges Armband

Fliegeruhr vs. Taucheruhr: Das Fazit

Eines macht der Vergleich zwischen Taucheruhren und Fliegeruhren klar: Beide Seiten verfügen über eindeutige Merkmale und spezifische Vorteile. Für welche Art von Zeitmesser Sie sich entscheiden, hängt also davon ab, wann sie ihn tragen möchten. Suchen Sie nach einer Uhr für Ihren nächsten Urlaub am Meer oder auf der Skipiste? Dann sind Sie mit den wasserfesten, robusten Taucheruhren am besten beraten. Sind Sie Vielflieger oder begeistern sich einfach für die Luftfahrt? Dann kommt eine Fliegeruhr für Sie in Frage.

Natürlich kommt es auch darauf an, welcher Uhrentyp Ihnen optisch am meisten zusagt. Ob kompakte Taucheruhr oder filigrane Fliegeruhr: Solange Sie kaufen was Ihnen wirklich gefällt treffen Sie immer die richtige Entscheidung.

Indra Faber
Indra Faber

Indra hat sich bei CHRONEXT mit dem Uhren-Fieber infiziert und eine Vorliebe für anspruchsvolle Komplikationen entwickelt. Sie taucht gerne tief in die Geschichte der Uhren ein und inspiziert in ihrer Freizeit die Handgelenke ihrer Mitmenschen. Gelegentlich träumt sie von angeregten Diskussionen mit anderen Uhren-Nerds und davon, eine Hublot Classic Fusion ihr Eigen zu nennen.

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