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Teil 1 – Uhren-Trends 2020: Das erwartet die Uhrenbranche

Drei Uhren aufgereiht der Neuheiten der Baselworld 2019

Vor uns liegt nicht nur ein neues Uhrenjahr, sondern gleich ein ganzes Jahrzehnt. Die vergangenen Monate brachten spannende, teils unerwartete Trends und Entwicklungen mit sich, die in Zukunft weiter aufblühen werden. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, welche Uhren-Trends die Branche bis 2021 ausmachen.

Die nächsten Jahre bieten viel Potential

Wenn man auf die Entwicklungen der letzten Jahre zurückblickt, werden sich bisherige Uhren-Trends weiter verfestigen und gleichzeitig neue Möglichkeiten eröffnen. Ein Beispiel ist der anhaltende Edelstahl-Hype. Da die Verfügbarkeit auch in diesem Jahrzehnt eine Rolle spielen wird, sind gegenläufige Uhren-Trends zu erwarten, die auf alternative Materialien und auf individuellere Modelle setzen. Dies betrifft vor allem Patek Philippe und Rolex.

Beim Heritage-Trend der letzten Jahre scheint ebenfalls kein Ende in Sicht: Das hat nicht nur der Hype um die Tudor Black Bay P01 bewiesen, sondern auch die neueste Omega Seamaster 007 Edition, die ab Februar 2020 erhältlich sein wird.

Industrie mit Hoffnung, Smartwatches mit Rekorden

Die größte Uhren-Revolution des letzten Jahrzehnts braucht ein Ladekabel. Smartwatches sind scheinbar die Innovation schlechthin, die die 2010er Jahre in der Uhrenwelt hervorgebracht haben. Allein die Apple Watch wird seit 2017 mehr gekauft als alle Schweizer Uhren zusammen. Dass sich der Erfolg der Wearables in den nächsten Jahren behaupten wird, gilt als sicher.

Lens Position: 4421

Im Hinblick auf die Luxusuhrenindustrie verliefen die letzten Quartale beruhigend; von einer neuen Krise ist derzeit keine Rede. Die Unruhen in Hongkong und die damit einhergehenden Umsatzeinbußen zeigen jedoch, wie empfindlich die Zahlen auf einzelne Auswirkungen der unsicheren Weltlage reagieren. Vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Spannungen können wir uns insofern nur hoffnungsvoll, wenngleich vorsichtig optimistisch geben.

Vertriebssysteme und Messen im Umschwung

Die Vertriebspolitik der Manufakturen und die B2C-Beziehung wird sich in den 2020ern weiter in Richtung einer personalisierten, verbraucherorientierten Richtung entwickeln. Es ist zu erwarten, dass weitere Manufakturen eigene Boutiquen errichten und sich aus dem Vertriebsnetz der Konzessionäre zurückziehen, wie es etwa Audemars Piguet bereits 2018 angekündigt hat.

Im gleichen Zuge entwickeln sich die Messen weiter: Die zwei großen Uhrenmessen – Baselworld und SIHH – sind im Umschwung. So wird der SIHH dieses Jahr beispielsweise unter dem Namen „Watches & Wonder Geneva” veranstaltet und durch Publikumsaktivitäten in der Genfer Innenstadt Uhren-Enthusiasten sämtlicher Altersgruppen begeistern. Da dem SIHH ein intimer und besucherfreundlicher Ruf nachgesagt wird, dürfte die zuletzt viel kritisierte Baselworld nachziehen. Ab diesem Jahr werden beide Messen erstmals unmittelbar hintereinander stattfinden, um der Community entgegenzukommen und die neusten Uhren-Trends zu präsentieren.

Baselworld

Edelstahl: Das begehrteste Metall der Uhrenwelt

Das Jahr 2019 war wie kein anderes geprägt vom Edelstahl-Hype. Erstmals haben die Marktpreise der Stahlmodelle die Preise für Stahl-Gold-Uhren getoppt. Der Trend wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren fortsetzen. Während Rolex und Patek Philippe bereits die begehrtesten Edelstahluhren produzieren, dürfte sich die Nachfrage anderer Stahlmodelle wegen der schwierigen Verfügbarkeit vergrößern, was wiederum Auswirkungen auf den Preis und die Erhältlichkeit vergleichbarer Modelle – wie etwa der Vacheron Constantin Overseas – erwarten lässt. Dass A. Lange und Söhne im Oktober die Odysseus vorgestellt hat, passt voll und ganz in diesen Trend.

Vacheron Constantin Overseas
Vacheron Constantin Overseas Chronograph

Während sich die Begierlichkeit vor allem auf einzelne Modelle – allen voran Patek Philippe Nautilus, Rolex GMT-Master und Rolex Daytona – konzentriert, dürften wegen der langen Wartelisten als auch wegen des differenzierten Geschmacks (abseits des horologischen Luxusmainstreams) Uhren in den Sammlerfokus geraten, die vorher weniger begehrt waren. Den Trend kann man bereits bei der Rolex Explorer II oder der Milgauss beobachten. Natürlich gilt die Prognose auch für Materialien. So wurden in den letzten Monaten bereits vermehrt Bi-Color-Modelle nachgefragt.

Es ist ebenfalls denkbar, dass neben dem Hype auf Edelstahluhren mit integriertem Metallband vermehrt Dresswatches aus Vollgold mit Lederband in den Fokus von Liebhabern geraten werden.

Heritage-Welle: Omega Seamaster 300M 007 Edition

Nachdem wir in den ersten Jahren des letzten Jahrzehnts eher Heritage-Inspirationen und Andeutungen finden konnten, legten die Hersteller in der zweiten Hälfte der Dekade mehr Wert auf historische Authentizität. Die 2017 präsentierte Omega Speedmaster 60th Anniversary Limited Edition oder die Longines Military Watch aus dem Jahr 2018 waren von echten Vintage-Uhren kaum mehr zu unterscheiden.

Die Heritage-Welle ist äußerst beliebt und wird wohl weiterhin einer der gefragtesten Uhren-Trends bleiben. Wir dürfen vor allem Modelle erwarten, die längst vergessene Stilelemente aufgreifen und den Heritage-Markt um Individualität und Innovationen bereichern. Ein Beispiel ist die Omega Seamaster 300M 007 Edition, die ab Februar erhältlich sein wird. Neben einer stimmigen Zifferblattgestaltung verfügt die Uhr über ein Milanaise-Band, welches der Seamaster-Serie bisher vorenthalten blieb.

Rolex: Keramik und neue Uhrwerke

Wie jedes Jahr spekuliert man auch 2020 darüber, welche Neuheiten Rolex auf der diesjährigen Baselworld präsentieren wird. Es ist wahrscheinlich, dass die Manufaktur die neueste Generation der Uhrwerke auch in weitere Modelle verbaut. Das dürfte entweder bei der Milgauss, der Explorer II oder aber bei der Submariner der Fall sein, denn alle drei Modelle wurden seit einigen Jahren nicht überarbeitet. Die Grundkonzeption der Submariner dürfte aber unverändert bleiben. Das breite Gehäuse, das bei den neueren GMT-Master-Modellen weiterhin Verwendung gefunden hat, wird wahrscheinlich nicht verschmälert.

Über die Explorer II wurde bereits im letzten Jahr viel spekuliert. Das Gerücht um eine Keramiklünette stellt ein denkbares Update dar. Schließlich wurden Aluminium- und Edelstahllünetten bei den letzten Neuerscheinungen gestrichen und durch Keramiklünetten ersetzt. Sehr wahrscheinlich ist auch ein Ausbau des Daytona-Portfolios: Die Vollgold-Keramik-Daytonas dürften nun ein Metallarmband erhalten und die Bi-Color-Daytonas mit einer Keramiklünette ausgestattet werden.

Nils Rau
Nils Rau

An upholder of justice in the world, our German editor Nils is a judge by profession, and a luxury watch enthusiast by passion. Much of his free time is dedicated to wristwatches by exploring watch blogs and online magazines, as well as keeping an eye out on the timepiece stock exchange market. His articles focus on brands, trends, as well as the philosophical questions within the world of fine watches.

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