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Manufakturwerk oder Konfektionskaliber – Eine Glaubensfrage

Manufakturwerk oder Konfektionskaliber – Eine Glaubensfrage

Nils Rau

Bis vor Kurzem beschränkten sich zahlreiche Uhrenhersteller auf das „Einschalen“ von fremdproduzierten Uhrwerken. Für entsprechend große Aufmerksamkeit sorgte die Ankündigung des Uhrwerkherstellers ETA, den Verkauf der Werke stark zu verknappen. Seit einigen Jahren werden deshalb immer mehr „In-House-Kaliber”, also selbst hergestellte Uhrwerke, verkauft. Doch ist ein Manufakturkaliber automatisch besser oder gar wertvoller?

Die Verknappung der ETA-Produktion erzwingt ein Umdenken

Was passiert eigentlich, wenn ein marktbeherrschendes Unternehmen keine Produkte mehr liefern will? Vor genau dieses Problem wurden viele Uhrenhersteller gestellt, da das Schweizer Unternehmen ETA, der wohl bekannteste Hersteller von mechanischen Uhrwerken, mit Zustimmung der Schweizer Wettbewerbskommission bis 2019 die Lieferungen von Uhrwerken um fast die Hälfte reduzieren wird. Bereits um die Jahrtausendwende wurde dieses Bestreben bekannt. Infolgedessen fand und findet in der Uhrenbranche ein Umdenken statt, das für viele Hersteller ein überlebenswichtiger Schritt ist: die Entwicklung eigener mechanischer Uhrwerke.

Die Frage, ab welcher Fertigungstiefe sich ein Werk Manufakturwerk nennen darf, soll an dieser Stelle außen vor gelassen werden, da dies eine andere Frage ist.

Manufakturwerke: Die First Class unter den mechanischen Uhren

Ist ein Manufakturwerk einem Konfektionskaliber – also einem Werk, das nicht aus der eigenen Fertigung stammt, sondern von einem Zulieferer kommt – insgesamt vorzuziehen oder nicht? Ergeben sich möglicherweise sogar mehr Nachteile? Dies hängt davon ab, unter welcher Prämisse man eine Uhr kauft und welche Prioritäten man setzt. Natürlich weckt das Design einer Uhr zumeist die ersten Begehrlichkeiten und nur in den seltensten Fällen führt das Werk zum Kauf, obwohl die Uhr dem Käufer optisch vielleicht gar nicht gefällt.

Seit 1996 baut Chopard eigene Werke und hat inzwischen zehn verschiedene Manufakturkaliber kreiert
Seit 1996 baut Chopard eigene Werke und hat inzwischen zehn verschiedene Manufakturkaliber kreiert

Im Grunde lässt sich die Frage, was Manufakturkalibern einen besonderen Reiz verleiht, ähnlich beantworten wie die Frage, wieso die meisten Uhrenfreunde mechanische Armbanduhren solchen mit Quarzwerk vorziehen: Es kommt auf den Charme des Herzstücks – des Werkes – an. Wer eine Uhr mit Manufakturwerk sein Eigen nennt, darf behaupten, dass die gesamte Uhr von einem einzigen Hersteller und in einigen Fällen sogar aus einem einzigen Betrieb kommt. Aus diesem Grund lautet auch die englische Bezeichnung für Manufakturwerke „In-House Caliber“. Wer weiß, wie kompliziert ein mechanisches Uhrwerk ist, ist sich der Tatsache bewusst, dass es eine technische, wissenschaftliche und organisatorische Meisterleistung ist, eine mechanische Uhr als Gesamtprodukt in Eigenregie herzustellen.

Es ist eine technische, wissenschaftliche und organisatorische Meisterleistung, eine mechanische Uhr als Gesamtprodukt in Eigenregie herzustellen.

Entsprechend anders verhält es sich bei Armbanduhren mit eingeschalten Werken. Hier läuft es – etwas zugespitzt – so ab: Eine Uhrenmarke kauft Uhrwerke ein, etwa bei ETA oder Miyota, verbaut die Werke dann in den eigenen Gehäusen und schreibt auf das Zifferblatt den eigenen Namen.

Manufaktur vs. Konfektionswerk: Unausgereift gegen altbewährt

Dennoch wäre es falsch, nur auf die negativen Seiten von Uhren mit Konfektionskalibern aufmerksam zu machen. Denn man darf keineswegs vergessen, dass ETA-Werke ihre bedingungslose Zuverlässigkeit in mittlerweile mehreren Jahrzehnten unter Beweis stellen konnten und ihrem Ruf als unverwüstliche Traktoren durchaus gerecht werden.

2824-2 – ein Topseller von ETA I Quelle: ETA
2824-2 – ein Topseller von ETA I Quelle: ETA

Eine solche Kampferprobtheit fehlt einigen Manufakturwerken indes noch. Von mehreren Manufakturwerken, die in den letzten Jahren auf den Markt gebracht wurden, gab es hin und wieder Berichte über diverse Probleme. Diese waren zwar nicht gravierend, denn dank gesetzlicher Gewährleistung und Herstellergarantie entstehen in solchen Fällen für den Kunden keine Kosten. Aber es ist schon sehr ärgerlich, wenn man seine neue Uhr kurz nach dem lang ersehnten Kauf wieder wegschicken darf. Und wer bereits Erfahrung mit Hersteller-Revisionen hat, weiß, dass man seine Uhr in der Regel nicht nach wenigen Tagen wieder zurückbekommt. Das kann für viele die Freude an der neuen Uhr trüben.

Auch hinsichtlich der Reparatur und Revision mechanischer Uhrwerke gibt es beim Thema Manufaktur- versus Konfektionskaliber Unterschiede: Während meist nur die Manufakturen selbst ihre eigens entwickelten Uhrwerke revisionieren und reparieren können, kann jeder freie Uhrmacher mit ETA-Werken umgehen. Selbst wenn ein freier Uhrmacher das erforderliche Know-How für die Arbeit an einem Manufakturwerk hat, besteht noch immer das Problem der Ersatzteilversorgung.

In diesen Tudor Modellen ist ein modifiziertes ETA Werk verbaut I Quelle: Tudor Watches
In diesen Tudor Modellen ist ein modifiziertes ETA Werk verbaut I Quelle: Tudor Watches

Hinzu kommt, dass zahlreiche Uhren keinen Blick aufs Werk – zum Beispiel mittels eines Saphirglasbodens – ermöglichen. Gangwerte im Chronometerbereich bieten nicht nur teure Manufakturwerke von Rolex, Jaeger-LeCoultre oder A. Lange & Söhne, sondern auch die Werke von ETA und mitunter sogar von asiatischen Konfektionskaliber-Herstellern wie Miyota. Insofern hängt es schon stark von den persönlichen Präferenzen ab, ob allein die Gewissheit eines verbauten In-House-Kalibers einen ideellen Mehrwert bietet, der sich im Verhältnis zum finanziellen Aufpreis bewegt. Mit einem Glasboden sieht es natürlich anders aus.

Günstige Manufakturwerke: Es muss nicht zwingend teurer sein

Schließlich darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass Manufakturwerke nicht zwangsläufig einen immens höheren Kostenaufwand bedeuten. Denn wenn bisher davon die Rede war, dass Manufakturwerke ausschließlich in mehrere tausend Euro teuren Armbanduhren zu finden sind, dann stimmt diese Behauptung jedenfalls nicht ohne Ausnahme.

Neomatik ist das neuste Werk der Manufaktur Nomos I Quelle: Nomos Glashütte
Neomatik ist das neuste Werk der Manufaktur Nomos I Quelle: Nomos Glashütte

Es genügt nur ein Blick auf die Glashütter Manufaktur Nomos, um aufzuzeigen, wie der Weg zur Herstellung von Manufakturkalibern aussehen kann, ohne dass diese exorbitant teuer sein müssen. In den neunziger Jahren, kurz nach der Wiederbelebung von Nomos, begann man damit, Peseux-Werke zu veredeln und Stück für Stück mit eigenen Komplikationen wie der ringförmigen Datumsscheibe zu versehen. Ein gutes Jahrzehnt später, im Jahr 2005, wurde die gesamte Produktion bei Nomos auf Manufakturkaliber umgestellt. Dies geschah – branchenübliche Preiserhöhungen ausgeklammert – ohne große Preisexplosionen. Mittlerweile liegt die Fertigungstiefe bei Nomos in Glashütte bei 95 %.

Auch der Seiko-Konzern gilt als Paradebeispiel für Manufakturwerke – hier werden selbst die zur Herstellung der Werke erforderlichen Produktionsmaschinen und das verwendete Grundmaterial im Konzern selbst hergestellt. Dass das Werk einer günstigen Seiko 5 im Hundert-Euro-Bereich nicht in dem Umfang von Menschenhand gefertigt wird wie es etwa bei A. Lange & Söhne in Glashütte der Fall ist, ist dabei aber klar.

Rückseite von A. Lange & Söhne Flyback Datograph
Rückseite von A. Lange & Söhne Flyback Datograph

Es bleibt Geschmackssache

Letztlich ist es eine Frage der persönlichen Betrachtungsweise, ob ein Manufakturwerk einem Konfektionskaliber vorzuziehen ist oder nicht. Welches von beiden besser ist, lässt sich nach objektiven Kriterien kaum bestimmen, vielmehr ist dies eine Wertungsfrage. Im Grunde spricht für den Vorrang von Manufakturwerken die Leidenschaft für Uhren sowie die Wertschätzung von dem, was mechanische Uhren an sich so wunderbar macht: Handarbeit, Feinmechanik, Entschleunigung. Die Liebe fürs Detail.

Für mich persönlich habe ich beschlossen, dass mir Manufakturwerke zwar wichtig sind, da mir der zuvor beschriebene “Einschaler”-Gedanke missfällt. Wenn eine Uhr aber großartig aussieht, am Arm eine gute Figur macht und ein Habenwollen-Gefühl auslöst, wäre ein ETA-Werk kein Grund, einen Kauf von vornherein auszuschließen. Jedoch bedeutet ein Konfektionskaliber bei meinen Uhrenüberlegungen stets einen Minuspunkt, wenn ich mich mit verschiedenen Zeitmessern vor meiner Kaufentscheidung auseinandersetze und die jeweiligen Aspekte zusammentrage, die für und gegen die jeweiligen Modelle sprechen.

Nicht zu vergessen bleibt, dass viele Premium-Hersteller ETA-Werke verbauen, die im eigenen Hause veredelt und mitunter sogar modifiziert werden. Vielleicht ist dies ein guter Spagat zwischen Manufaktur- und Konfektionswerk, jedenfalls beginnt aber hier erst recht die Frage, wann ein Werk eigentlich zum Manufakturwerk wird.